Der Name „Sperrtal“ symbolisiert das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis der hiesigen Fenn, das Reich vor Gefahren zu schützen und doch das Tor zu Isdraia zu sein. Die große Torstadt Kuer ist das Erste, was man als Besucher des Fenn-Reichs erblickt und kennenlernt. So offen und modern Kuer selbst auch ist, so unterschiedlich sind die Fenn in den umliegenden Siedlungen geprägt. Nach einer Reise durch dieses Gebiet hat man die meisten Geschichten der Fenn gehört und versteht dieses in sich gekehrte Völkchen ein wenig besser.

Das Sperrtal

Bevölkerung und Kultur

Das Sperrtal stellt mit Schupplauf, Weidhain, Middendorf, Eimhlingen und Kuer die dichtbesiedelste Region im Reich der Fenn dar. Die bekannteste Ortschaft im Sperrtal ist aber zweifelsohne die Stadt Kuer, die zugleich die Hauptstadt des gesamten Fenn-Reichs ist. Obendrein liegt Kuer ganz im Osten direkt an der großen Palisade und wird daher als Garnisonsstadt genutzt. Wegen dieser Funktion gilt Kuer auch als Tor zur Außenwelt und trägt den Beinamen Torstadt.

Durch den regen Handel, der in Kuer betrieben wird, sind die Bewohner toleranter und wohlhabender als im Rest des Reichs. Sie sind Fremden gegenüber aufgeschlossen und gelten als vergleichsweise weltoffen und modern. Auch wird in Kuer mit Dar bezahlt, statt Waren einfach zu tauschen. Dies brachte mit der Zeit einigen Luxus in die Stadt, den ihre Bewohner gern zur Schau stellen, um sich von den – ihrer Meinung nach – rückständigen Fenn des Umlandes abzugrenzen.

Kuer ist stets sehr voll und lebhaft, doch in der Westwindphase, wenn all die kältescheuen Westfenn in der Stadt weilen, platzt sie fast aus allen Nähten. Die Wohnungsnot wurde während der letzten Wenden sogar so groß, dass einige Fenn ihre provisorischen Behausungen einfach außerhalb der Stadtmauern errichteten. Während des Ostwindphase begeben sich die Fenn der großen Hauptstadt hingegen gerne mal auf eine Visite ins Hinterland, um Erholung von dem stressigen Alltag zu suchen. So ist vor allem das Örtchen Middendorf ein beliebtes Ziel der Städter, um auf dem Land die Ruhe und frische Luft zu genießen. Die Landbevölkerung sucht hingegen gerne mal das rege Treiben in Kuer und weiß die vielen Möglichkeiten der großen Stadt sehr zu schätzen.

Doch neben Kuer gibt es im Sperrtal noch weitere Besonderheiten. So ist etwa die Laube in Eimhlingen allseits bekannt. Sie dient für alle Fenn traditionell als Stätte der Weihung und somit als Schmiede für neue Familienbunde. Weiterhin bekannt sind die wunderschönen, gelben Weizenfelder vor Weidhain und die großen, schwimmenden Baumstammteppiche von Eimhlingen. Allgemein werden im Sperrtal viele Ressourcen und Nahrungsmittel hergestellt, was der Region den Ruf einer sehr emsigen und fleißigen Gegend brachte.

Landschaft und Architektur

Die Landschaft im Sperrtal ist vielseitig. Im Westen findet sich flaches Terrain mit saftigen Wiesen und Feldern, das nur wenige kleine Baumgruppen beherbergt und gut sichtbar von der Eimh durchzogen wird. Im Osten macht sich hingegen der Dämmerlichtwald breit, der sich aus Richtung der Palisade zurück ins Innere des Fenn-Reichs zu kämpfen scheint.

Die Orte in dieser Region sind nicht weniger vielseitig. Weidhain liegt etwa inmitten weitläufiger, gelber Kornfelder und verströmt über viele Meilen den Duft frisch gemahlenen Korns. Die hellen Strohdächer sind das Wahrzeichen Weidhains und verleihen dem Ort eine bäuerliches und einfaches Erscheinungsbild. Dem entgegenstehen tun die soliden, hölzernen, aber sehr schönen Häuser des Städtchens Eimhlingen, das neben seiner großen Laube der Weihung auch für seine Holzproduktion bekannt ist. Schupplauf ist wiederum ein sehr kleines und beschauliches Fischerdörfchen, in dem einige Fenn sogar in zeltähnlichen Behausungen leben. Neben Kuer ist die kleine Stadt Middendorf aber wohl die interessanteste. Als Urlaubsresidenz einiger reicher Fenn zeichnet sich Middendorf durch die besten Gaststätten und einige sehr extravagante Residenzen aus, die architektonisch die Herkunft ihrer Besitzer bezeugen.

Die Torstadt Kuer ist so groß und vielfältig, dass sie in eigene Viertel unterteilt wurde, die gut zu unterscheiden sind. Die Viertel sind meist von kleinen Kanälen oder Träuflingen getrennt, welche die Stadt vollständig – und teils unterirdisch – durchziehen und allesamt in die Eimh münden. Das auffälligste Viertel ist sicherlich das Wohnviertel. Es ist bekannt für seine engen, doch gemütlichen Gassen, die nicht zuletzt auch wegen dem sehr groben Kopfsteinpflaster für Karren und Wagen als unpassierbar gelten. Die Häuser stehen dicht an dicht und jeder freie Fleck ist bebaut. Da für Hauserweiterungen in die Breite kein Platz mehr war, wurden die Gebäude immer höher. Wer es sich leisten konnte, baute einfach noch eine Etage oben drauf. Und wer besonders vermögend war, zeigte dies mit einem außergewöhnlich hohen und spitzen Dach, wodurch das Viertel auch noch weit außerhalb der Stadt gut zu erkennen war. Das Händlerviertel ist hingegen ein weitläufiger und emsiger Umschlagplatz für fast alle Waren. Das Angebot hier reicht von sämtlichen fenn‘schen Erzeugnissen über Spezialitäten aus Bruck bis hin zu einigen Luxusgütern aus Morgathal und gar Ambherstein. Im Gelehrtenviertel befinden sich wiederum viele Gebäude mit hohen Türmen, in denen die Meister alter Künste ihr Wissen weitergeben. In diesem Viertel ist auch der Platz der Gelehrten zu finden, um den sich die Zunftgebäude fast aller bekannten Handwerkskünste sammelten. Dort wurden Gesellen zu Meistern ausgebildet. Das für Außenstehende nicht zugängliche Heilerviertel war einst geprägt von vielen kleinen Läden, die in der großen, umgestürzten Rotborke, die im Zentrum des Viertels liegt, Kräuter und Tränke verkauften. Doch diese Läden wurden zusehends seltener. Die Bibliothek blieb aber erhalten und wurde so das neue Herzstück dieses Viertels. Sie war und ist wegen des reichhaltigen Wissens aus alten Zeiten Anlaufstation für alle Heiler, Weisen und all jene, die in ihre Fußstapfen treten wollten. Das im nördlichen Teil der Stadt gelegene Militärviertel – mit dem angrenzenden Exerzierplatz – beherbergt neben der imposanten Zitadelle zahllose Kasernen, die große militärische Verbände aufnehmen können. Durch riesige Tore lässt sich das Viertel vollständig abriegeln, wobei der Zugang zu den Verteidigungsanlagen und dem Ehrfang trotzdem stets gewährleistet bleibt. Ohne Erlaubnis durch einen Wachhabenden, oder gar den Kommandanten selbst, ist das Betreten des Militärviertel allen Zivilisten allerdings strickt untersag.

Politik und Miltär

Es ist bezeichnend für die Fenn dieses Zeitalters, dass mittlerweile alle wichtigen Entscheidungen des Reichs in Kuer und dort auch nur in Symbiose mit dem Militär getroffen werden. So sind etwa die Entsagung von der Magie und der forcierte zivilisierte Fortschritt Bestrebungen der Fenn des Sperrtals – insbesondere der Hauptstädter – und werden von den Anführern in Kuer vorangetrieben. Für die Traditionen, Bräuche, Rieten oder gar Rituale aus den ländlichen Regionen hat man hier nur wenig übrig.

Das stehende Heer, das über diverse Einheiten verfügt, ist für den Schutz des Reichs in Kuer stationiert. Das Heer besteht hauptsächlich aus Divisionen aus Ehrfels und einigen Milizen aus den übrigen Regionen. Aber auch die Grüne Brigade hat innerhalb der Garnisonsstadt einige ihrer Verbände stationiert. Diese Kundigen, die ihren Dienst vorrangig außerhalb der Grenzen im Dämmerlichtwald verüben, sind wie auch die Milizen und die Armee im stets wachsenden Militärviertel untergebracht.

Große Stadtmauern sowie die Eimh selbst, die sich durch die Stadt Kuer zieht, machen die Torstadt zu einer nahezu uneinnehmbaren Festungsstadt. Die nach Osten ausgerichtete Mauer ist obendrein zusätzlich verstärkt und bewaffnet. Sie ist auch als Ehrfang bekannt und stellt ein gigantisches Bollwerk gegen die Gefahren aus den Tiefen des Dämmerlichwaldes dar.

Die Fenn des Sperrtals verhalten sich außerhalb der Grenzen ihrer Region sehr reaktiv und beschränken sich auf die Verteidigung und Wahrung ihrer Interessen innerhalb ihrer Lande. An einer Expansion – weder im Reich, noch außerhalb – sind sie nicht interessiert, obgleich sie die Goblins aus dem Norden immer wieder in ihre Schranken weisen müssen. Einzige Ausnahme dieser reaktiven Politik ist die Gründe Brigade, die auch weit außerhalb des Sperrtals im Einsatz ist und sich als Beschützer des Dämmerlichtwaldes versteht. Sie patrouilliert südlich der Eimh bis hin zum Zacken. Fremde werden von ihr aufgegriffen und zurückgewiesen. Nur wenige freie Händler, etwa die aus Bruck, erhalten die Erlaubnis zum Eintritt in das Reich.

Auch wenn sich die Sperrtäler nach außen hin zurückhalten, sehen sie sich als bevölkerungsreichste Region im Reich jedoch als Nabel der Kultur und Zivilisation. Aus allen Teilen des Reichs zieht es junge Fenn in diese Gegend, die daher stetig wächst. Die übrigen Fenn aus den anderen Regionen werden von den modernen Bewohnern des Sperrtals als rückständig belächelt. Mit dem Senktal möchte man nichts zu tun haben, die Rohsteige und Mittschlingen werden als Domizile für eine Ruhephase angesehen und mit dem Gauland befindet man sich seit geraumer Zeit im Klinsch. Zu unterschiedlich sind die Ansichten über diverse Entwicklungen und man spottet obendrein über die Tatsache, dass die Ehrfelser ihre eigenen Armee aufgestellt haben. Das Wappen Sperrtals ist auch das Wappen Kuers und zeigt Handel, Verteidigung und die Verbundenheit mit der Natur gleichermaßen.

Bekannte Persönlichkeiten

Neben dem Stadthalter Yugo ist Kommandant Viss die höchste Instanz in Kuer und Befehlshaber der gesamten Streitkräfte. Als sein Stellvertreter ist der ursprünglich aus Ehrfels stammende Waffenmeister Beltim noch erwähnenswert. Als Leutnant der Garnison ist er außerdem Befehlshaber des stehenden Heers in Kuer.

Weiterhin sind Hemu, der Kommandant der Blauen Brigade, sowie Lulluh, Kommandantin der Grünen Brigade, im Sperrtal aufgewachsen und gelten mittlerweile gemeinhin als sehr angesehene Vertreter ihres Volkes.

 

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