Viele der Gedichte, die wir bisher geschrieben haben, setzen beim Reimschema meist auf Kreuzreime oder Paarreime. Das ist auch nachvollziehbar, denn diese Gedichte sind vergleichsweise angenehm zu lesen und auch nicht sehr schwer zu konstruieren. Doch Lyrik wünscht sich Abwechslung. Nach dem fünften oder sechsten Gedicht besagter Art war mir nach etwas Neuem zumute. Inspiration fand ich in dem Film Interstellar, in dem das Gedicht „Do not go gentle into that good night“ von Dylan Thomas rezitiert wird. Das Gedicht ist eine Villanelle, also ein italienisches dreistimmiges Strophenlied mit Refrain. 

Ich habe mir also die Struktur einer Villanelle zu eigen gemacht und ein Gedicht erstellt, das in den ländlichen Regionen des Fenn-Reichs den Kindern erzählt wird, um sie vor den Gefahren aller vier Himmelsrichtungen zu warnen. Hier ist das Ergebnis dieses Experiments:

 

Geh nicht achtlos hinaus in fremde Gefilde
Es wäre forthin ein verschwendetes Leben
Denn die vielen Schrecken kennen keine Milde

Des Reiches südlich Grenzen sind voller Wilde
Die weder Freundschaft, noch Gnade für dich hegen
Geh nicht achtlos hinaus in fremde Gefilde

Im Norden hausen Grünhäute, sei dessen im Bilde
Grausame Wesen, die immerfort den Kampf anstreben
Denn die vielen Schrecken kennen keine Milde

Tief im Osten führen Riesen Böses im Schilde
Vom Tod geschmückt, lassen sie die Erde beben
Geh nicht achtlos hinaus in fremde Gefilde

Westlich weilen titanengleiche, steinerne Gebilde
Da wo kalte Winde jeden von den Klippen fegen
Denn die vielen Schrecken kennen keine Milde

Und vergiss nie die Blauen, sie sprechen keine Silbe
Wandeln ziellos umher, jagen dich der Seele wegen
Geh nicht achtlos hinaus in fremde Gefilde
Denn die vielen Schrecken kennen keine Milde

 

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