Unser Weg

Auf der Suche

Ende 2017

„Das kann doch nicht sein, dass es das noch nicht gibt … „, waren häufig die Worte, mit denen unsere allabendlichen Gespräche begannen. Gespräche, die fernmündlich während oder nach dem Spielen eines Computerspiels geführt wurden. Denn eigentlich stammen wir nicht aus der schönen Pfalz, sondern aus allen Ecken Deutschlands. Abgesehen von dem Umstand, dass wir uns in einem Computerspiel kennengelernt haben und nun zusammen in Landstuhl eine Firma führen, sind wir aber ganz normale Menschen, obendrein ziemlich unterschiedliche Menschen. Wir sind alle zwischen 27 und 40 Jahre alt, stehen mal fest, mal weniger fest im Leben. Wir haben unsere Hobbies, unsere Verpflichtungen, unsere Freunde, Familien und unsere Arbeit. So grundverschieden wir sind, so eint uns doch eine gewisse Sache: Anspruch. Der Anspruch an Qualität, der Anspruch an Nachhaltigkeit und der Anspruch an Tiefe.

Nicht nur das Spielen hat uns geeint, sondern auch unsere Ansichten. Kritik an gesellschaftlichen oder sozialen Themen wurde ebenso geteilt wie Diskussionen über die Kurzlebigkeit der Dinge. Und da kommen wir auch schon zu den frühen Anfängen des Projekts. Fast täglich teilten wir einige Stunden Spaß beim gemeinsamen Zocken, bis stets der späte Abend kam. Die Zeit, wo man den Tag ausklingen lässt. Ihr kennt das sicherlich. Ob man nun gemütlich zusammensitzt oder durch das Headset miteinander spricht, am Schluss, wenn nur noch „der harte Kern“ beisammen ist, werden die Gespräche meistens tiefgründiger.

Wir haben alle ein Fable für Fantasy oder Science-Fiction. Wer fiebert schließlich nicht mit Frodo, Luke oder John Snow mit? Wer hat nie etwas geliebt und regelrecht verschlungen, wenn es einen bestimmten Nerv getroffen hat? Seien es Bücher, Spiele, Filme, Serien oder gar eine Bundesligasaison. Aber dann trifft uns alle irgendwann unweigerlich der „Chipstüteneffekt“. Sobald die Finger das erste Mal den Boden der Packung berühren, entsteht ein trauriges Gefühl. Jeder kennt diesen Effekt auch von einer guten Serie oder einem guten Buch. Überzeugen die ersten beiden Folgen oder Kapitel, schaut man direkt nach, wie viele Staffeln oder Bände es noch gibt.

Das ging uns allen auch so. Denn auch unser gemeinsames Hobby, jenes Computerspiel, verlor letztlich seinen Reiz, als das Ende am Horizont zu sehen war. Denn alles Gute ist nun mal endlich, oder? Zumindest lehrt uns das die Welt, denn beinahe jede Geschichte hat ein Anfang und ein Ende oder weist irgendwelche Lücken auf, die ungefüllt bleiben. Aber das hat unsere Welt doch auch nicht, oder? Warum müssen fiktive Geschichten immer in eine Trilogie oder Ähnliches passen?

Dann entstand die Hoffnung, dass es doch irgendetwas für unseren Geschmack geben muss. Etwas, in dem wir uns wiederfinden können. Etwas, das uns erneut eine erfüllte Freizeit beschert und das wir vor allem, wie damals schon, mit anderen teilen können. Damit man darüber diskutieren, sich gegenseitig bislang unbekannte Details verraten und zusammen etwas Neues entdecken kann.

Doch wir fanden nichts. Kein nachhaltiges Spiel, das uns begeisterte. Nichts, das die virtuelle Welt mit der analogen verbindet. Nichts, auf das wir uns einigen konnten, da immer irgendwer etwas – berechtigterweise – auszusetzen hatte. Und dann kamen Abend für Abend die immer selben Fragen auf: „Warum gibt es das noch nicht?“, „Will niemand mehr etwas anspruchsvolles konsumieren?“, „Gibt’s echt nicht mehr auf dieser Welt?“. Ja, sie könnten auch vom Stammtisch stammen. Doch irgendwann, nach vielen langweiligen Abenden, entstand dann schließlich die trotzige Idee, das einfach zu ändern. Wenn es etwas eben noch nicht gibt, warum Trübsal blasen, statt selbst anzupacken?

Der Projektstart

Anfang 2018

Wir brauchten einige Wochen, um uns einig zu werden, welche Projektidee wir eigentlich verwirklichen wollen. Und dann mussten wir uns erst mal die Zeit freischaufeln, die uns neben Familie und Beruf noch blieb, um überhaupt an etwas so Ambitioniertem arbeiten zu können – noch dazu größtenteils fernmündlich. Denn uns war früh klar, dass eine gute Idee allein nicht ausreichen würde, um Kapitalgeber zu überzeugen, uns die notwendige Investitionssumme in die Hand zu drücken. Da wir alle noch vergleichsweise jung sind, hatten wir auch selbst nur wenig Geld oder Sicherheiten, die wir ins Feld führen konnten. Es war also nötig, die Projektidee so weit zu entwickeln, wie es uns mit unseren Mitteln möglich war. Aussagekräftiges Anschauungsmaterial und durchdachte Konzepte würden nötig sein, um eine Bank oder einen Risikokapitalgeber zu überzeugen. Denn so toll Computerspiele, Fantasy-Franchises und Community-Konzepte auch seien mögen, so unattraktiv sind sie für klassische Investoren. Der Computerspielmarkt wird regelrecht von Neuheiten geflutet, Fantasy-Bücher gibt es viele und die allerwenigsten neuen soziale Netzwerke setzen sich durch. Es war also an uns, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu erarbeiten, dass durch geschickte Synergien und gänzlich neue Ansätze ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, das es letztlich konkurrenzlos macht.

Also wurden die Aufgaben verteilt und eine Absichtserklärung unterzeichnet, um alle etwaigen Probleme schon zu regeln, bevor sie auftreten. Es gab viel Arbeit zu tun, sehr viel. Ein Buch wollte geschrieben werden, ein Spiel erdacht, konzipiert, programmiert und getestet. Hinzu kamen wichtige Aufgaben wie Dokumentation, Marketingplanung, Kontaktaufnahme mit Herstellern und die Planung einer Community-Plattform sowie eines Marktplatzes für unsere Produkte. Nebenbei wurden außerdem noch Recherchen angestellt, an welchem Standort wir am besten gründen sollten. Da wir nämlich ohnehin alle woanders wohnten, hatten wir dabei letztlich die freie Wahl.

Wir sind ganz ehrlich. Es gab anfangs bei allem Elan und Eifer einige Schwierigkeiten. Nicht alle von uns hatten gleichviel Zeit oder abends nach einem 8 Stunden Arbeitstag noch die Energie, weitere 4 Stunden Arbeit obendrauf zu setzen. Hinzu kamen die Schwierigkeiten des fernmündlichen Arbeitens. So mussten wir erstmal lernen, wie wir unsere Arbeit zeitlich und organisatorisch strukturieren. Wir begannen mit regelmäßigen Meetings, wo der Fortschritt ermittelt und protokoliert wurde. Wir evaluierten technische Möglichkeiten, wie man digital auch zusammen auf einem Whiteboard oder an einem Dokument arbeiten kann. Aber unsere Motivation war ungebrochen und so fügte sich langsam alles.

Arbeiten in der Lage

Bis Ende 2019

Die Monate verstrichen. Wir verbrachten viele tolle Abende, Wochenenden und Urlaubstage in kreativen Meetings und Arbeitsgruppen. Der Fortschritt konnte sich sehen lassen. Mittlerweile hatten wir ein Prototyp des Spiels, ein Buch (wenngleich nicht lektoriert) sowie ein internes Wiki und eine Webseite voller toller Geschichten und Fakten aus unserer Fantasy-Welt Dystopia. Auch waren viele Konzepte aufgeschrieben und für später abgelegt worden. Es wurde Zeit, den „großen Wurf“ vorzubereiten.

Doch es stellte sich heraus, dass es abseits des fernmündlichen Arbeitens und der ständigen Doppelbelastung noch weitere Schwierigkeiten zu bewältigen gab. Wenn man mit Herstellern, Künstlern und anderen Dienstleistern zusammenarbeitet, um zum Beispiel Samples herzustellen, merkt man schnell, dass man als Privatperson ohne Firma nicht immer ganz ernst genommen wird. Es war gar nicht einfach, Firmen und Personen zu finden, die sich auf uns einließen.

Das Glück war uns nach einigen Anläufen dann aber doch wohlgesonnen. So fanden wir etwa einen Hersteller in Österreich, der uns über die Verarbeitung von RFID-Chips in Spielkarten aufklären konnte. Auch lernten wir eine Künstlerin aus Hamburg kennen (Bente Schlick), die sich der Aufgabe stellte, unser Buchcover zu illustrieren. Langsam nahm also alles endlich Form an. Wir begannen, Finanz- und Businesspläne auszuarbeiten und uns auf die Kapitalsuche vorzubereiten. Dabei stellten wir uns breit auf und prüften neben Wagniskapital auch klassische Bankkredite, KfW-Kredite und diverse Crowdfunding-Plattformen. 

Bewerbungen & Corona

Anfang 2020

Es stellte sich schnell heraus, dass Banken zwar widererwarten an dem Konzept interessiert waren, aber natürlich trotzdem für uns viel zu hohe Sicherheiten brauchten. Auch KfW-Gründerkredite waren für den großen Wurf ungeeignet, weil die größeren Kredite gar nicht für echte Gründer zur Verfügung stehen, sondern eher für junge Unternehmen, die schon 2 bis 3 Jahresabschlüsse vorweisen können. Lediglich das Förderprodukt „StartGeld“ verblieb, aber das hätte niemals ausgereicht.

Crowdfunding-Plattformen haben wir bis heute nicht ausgeschlossen und werden auch darauf zurückkommen, aber auch dafür braucht man erstmal eine gewisse Reichweite, um die Chancen zu maximieren. Hinzu kommt noch ein zumindest kleiner Kapitalbedarf, denn ein guter Auftritt auf Kickstarter und Co. braucht professionelles Marketing-Material, das bezahlt werden will.

Es blieben also noch Risikokapitalgeber und Business Angels. Das sind diese Firmen oder Personen, die in der Regel für Anteile am Startup einen großen Teil des Kapitals stellen, dafür aber auch das größte Risiko tragen. Davon gibt es in Deutschland tatsächlich einige, doch aus verschiedenen Gründen sind nicht alle für uns geeignet. Einige Risikokapitalgeber sind sehr spezialisiert, investieren zum Beispiel nur in Medizintechnik. Andere interessieren sich nur für Geschäftskonzepte mit schnellem Wachstumspotenzial ­– was ihr gutes Recht ist – und wollen ihre Unternehmensanteile an den Startups nach wenigen Jahren wieder gewinnbringend verkaufen. Wir suchten aber nach Investoren, die langfristig an einer Kooperation interessiert sind, und die einen Mehrwert in unseren auf Nachhaltigkeit abgestimmten Konzepten sehen. Wie oben schon erwähnt, zielen wir zudem auf einen Markt, der schwer zu bestimmen und zu analysieren ist. Verlässliche Prognosen zu erstellen, kostet also (auch für Investoren) viel Zeit und Mühe. Das alles haben wir also berücksichtigt.

Es blieben noch etwa zehn mögliche Risikokapitalgeber übrig, bei denen wir uns dann beworben haben. Die Bewerbungen gingen alle im März 2020 auf den Weg. Also in dem Monat, in dem Corona zur Pandemie erklärt wurde. Ab da ging alles drunter und drüber.

Fast alle Investoren haben ihre Investitionen erstmal komplett eingestellt. Mitarbeiter wurden ins Homeoffice geschickt und an einen Besuch vor Ort, um unsere Idee mal richtig vorzustellen, war nicht mehr zu denken. Teils warteten wir Monate auf die Rückmeldungen, doch die Antworten waren immer ähnlich. „Investitionsstopp“, „Interessant, aber schwieriger Markt“, „Sind an anderen Dingen interessiert“, „Wir kamen nicht dazu, die Bewerbung zu lesen“.

Mit den Monaten des Wartens wuchs die Erkenntnis, dass wir es verkackt hatten. Über den Sommer wurden noch einige Versuche angestellt, doch das Ergebnis war immer dasselbe. Auch Messen, Business Angel Events oder Startup-Wettbewerbe waren wegen Corona ins Wasser gefallen. Die Möglichkeiten, wichtige Bekanntschaften zu machen, liefen gegen null.

Gründung

Herbst 2020

Wie nun also weitermachen? Über 2 Jahre Arbeiten steckten mittlerweile in dem Projekt. Und wir waren und sind weiterhin fest davon überzeugt, dass es ein Erfolg wird, wenn wir nur die nötige Zeit und Unterstützung dafür bekommen. Wir hatten nun die Wahl, auf bessere Zeiten zu warten, oder in der Zwischenzeit etwas zu machen, um zumindest unsere Chancen für die Zukunft zu steigern. Wir entschieden uns, klein anzufangen und Manus bereits vorhandenen Online-Handel zu übernehmen und auszubauen. So hatten wir zumindest das, was wir schon am Anfang hätten gut gebrauchen können: eine Firma. 

Die drei von uns, die nicht familiär gebunden waren, zogen schon mal in Landstuhl zusammen. Die drei anderen bringen sich hingegen weiterhin vorerst fernmündlich ein. 

Wir schrieben also neue Business- und Finanzpläne. Das Geschäftskonzept war einfach und berechenbar: der Online-Handel von Sammelkartenspiele sowie einiger Eigenprodukte aus Dystopia. Zurück zu Start also, beziehungsweise zum „StartGeld“. Die KfW genehmige den kleinen Kredit für unser nun kleines Konzept und wir konnten endlich loslegen. Wir gründeten die Beyond Worlds GmbH und fanden mitten in Landstuhl zum Glück einen sehr netten Mann, der uns ohne Zögern ein Büro vermietete. 

Das war im Oktober 2020. Nun arbeiten wir täglich daran, uns mit unserem Webshop ein gesundes Wachstum zu generieren, um nebenbei unser eigenes Spiel weiterentwickeln zu können. Wir bewerben uns auf Förderungen, planen Crowdfunding-Kampagnen und halten die Augen nach weiteren Möglichkeiten offen. Wir schreiben mittlerweile März 2021 und Corona ist immer noch da. Doch unser Wille ist ungebrochen, also wünscht uns bitte Glück!